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Elefantentreffen 2019

Damit aus Routine keine Langeweile wird, haben wir Dinge vorbereitet.
z.B. das circa 290 kg schwere Dreibein aus feinstem Edelstahl, welches uns über dem Lagerfeuer zu kulinarischen Höchstgenüssen führen sollte.

Leider sind 33% unseres Teams kurz vor der Abfahrt ausgefallen - eben der Hüter dieser Kochgelegenheit. Also kein dreibeinkochen.

Um dem Abenteuerfaktor hoch zu halten, sind wir dann bei der Anreise absichtlich etwas vom Weg abgekommen.
Sehr zum Unverständnis einer Anwohnerin, die uns überzeugen wollte, dass es auf dieser Straße gar nicht ins nächste Dorf ginge.
Aber Ankommen ist doch überhaupt nicht das Ziel der Übung....

Da steht ein Gespann im Schnee. So sieht man das gerne. Wobei...es steht, und fährt gar nicht?

Ist da der Schnee so tief, oder fehlt dem Gespann Bodenfreiheit?

Nee nee, der Auspuff schaut noch raus, das ist noch gut so.

Woran erkennt man 2WS? Die Räder drehen an zwei Stellen auf eisigem Boden durch, statt nur an einer...

Woran erkennt man 2WS? Die Räder drehen an zwei Stellen auf eisigem Boden durch, statt nur an einer...

Ganz neidisch schaut die Jialing auf die Schneespiele der Ural und will auch mal.

Die Schneetiefe zwischen den Rädern ist korrekt bemessen. Ein bisschen mehr ginge vielleicht noch.

Die Schräglage besagt es: Hier wurde sich mit viel Gas korrekt in den Boden gefräst. Statt einer horizontalen gab es eine vertikale Bewegung. Auch schön.

 

Hat man sich ausreichend tief eingegraben, hilft bei der Befreiung stets ein Spaten.

Vorteil wenn man erst samstags anreist: Andere sind bereits abgereist und haben hübsche Zeltplätze inklusive Stroh für uns hinterlassen. Praktisch.
Das Wetter war brav, das Zelt steht auch von allein. Leinen zum Abspannen sind für ängstliche Mädchen und stören überhaupt sowieso immer nur.
Zack - fertig aufgebaut ist das Zelt!

Blaue Schlafsäcke auf blauer Matter im blauen Zelt. Gespannfahrer sind grundsätzlich stilsicher in allen Dingen.

Der Rundgang durch das Fahrerlager bietet wieder interessante Details und Lösungen.

Holz schleppen macht weniger Spaß, Holz fahren schon mehr. 

Eine Weisheit, die man relativ zügig lernt, und die für immer im Gedächtnis haften bleibt:
Die Spurrinne hat immer recht.

Eine feine Frässpur zum hinteren Zeltplatz. Da gibt es nur die Möglichkeit genau in dieser Spur durchzuziehen - oder gar nicht.

Umfallsicher geparkt. Wer braucht schon Seiten- oder Hauptständer, wenn er Schneehaufen hat.

Schneeketten. Eingeschraubt und angeschweißt. Hilft mehr als so ein dünnes Kettchen...

Anfahrt - Check.
Unterkunft - Check.
Fahrerlager besichtigt - Check.
Nächster Programmpunkt: Nahrungsaufnahme.

Das Grillgerät ist ja kurzfristig ausgefallen, die Steaks waren aber schon im Kühlbereich des Beiwagens verstaut. Also arbeitet man mit den vorhandenen Küchenutensilien. In diesem Fall die lange Lagerfeuergabel. Da passt auch ein Steak drauf.

Da lacht der Martin - gleich wird's richtig lecker.

Perfekt gewendet auf gleichbleibend eingestellter kleiner Flamme - so wird jedes Steak à point. Oder doch lieber medium rare?

Mit Hunger am wärmenden Lagerfeuer selbst gegrilltes Steak essen. Ehrlich, viel leckerer geht es kaum. Mmmmh!

Doch so ein Lagerfeuer ist ja ein Multi-Purpose Werkzeug. Man kann nicht nur Rindfleisch garen, sondern auch die eigenen Pfoten prächtig wärmen.

Auch die Füße kann man erhitzen. Am Besten natürlich, nachdem man alle Isolationsschichten (pardon, Dämmschichten) entfernt.

Die Dämmschicht selber, vom Laien auch Socken genannt, kann hier auch ganz natürlich getrocknet, gewärmt und per Holzrauch konserviert werden.

Am Morgen danach - der Bayerische Wald hat uns mit Neuschnee bedacht. Sowas wünscht man sich beim Elefantentreffen!

Das ist pure Elefantentreffenromantik. Am frühen Morgen alles mit einer frischen weißen Schneeschicht bedeckt.

Die Formulierung: "Zelt abspannen ist nur etwas für ängstliche Mädchen" haben wir allerdings nochmals überdacht. Denn der Schnee hat sich auf der Außenhaut angesammelt und Flocke für Flocke, Stück für Stück, das Innenvolumen reduziert. Bis runter auf 2 Personen plus 10 Liter Atemluft. Aber eine Zelthöhe von einem Meter langt ja vielleicht auch.
Überhaupt, wer trockene Füße und keine feuchte Mütze haben will, kann das ja das nächste Mal einfach anders machen.

Auch nach dem Abschlagen des Schnees von der Zeltwand wird das Innenvolumen nur bedingt größer.

Und wenn so eine Zeltwand anliegt, dann kommt es irgendwie auch zu einem Feuchtigkeitstransfer.
Die Füße waren nass, denn der Schlafsack war nass, denn die Unterlage war nass, denn überhaupt alles, was Außenwandkontakt hatte, war nass.

 Dunkelblau ist zwar optisch schöner, aber in diesem Fall thermisch unschöner. Vorsichtig ausgedrückt.

Heißer Tee und Erdbeermarmeladenbrötchen. So werden müde Männer wieder zu heldenhaften Hochleistungsgespannfahrern! Quasi der Zaubertrank beim ET.

Wenn der Schnee langsam um den Becher herum wegschmilzt, dann weißt Du dass es nirgends anders ein besseres Frühstück geben kann als genau jetzt, genau hier!

Nachdem die Fahrer startbereit sind, dürfen die Fahrzeuge auch aus dem Winterschlaf erwachen.

Jialing im Winterkleid. Nur so darf ein Gespann im Februar aussehen.

Man kann der Ural das Grinsen förmlich ansehen. So fühlt sie sich wohl. So ist sie in Ihrem Element.

Doch was ist das? Warum liegt hier Werkzeug neben dem Motorrad? Hat das was zu bedeuten?

Der Uralfahrer hat gut lachen, wenn bei der Chinesin das Werkzeug rauseholt wird.

Abenteuerschrauben bei leichtem Schneefall.
Der Vorteil von Naked Bikes: Sehen geiler aus und man schraubt nicht 'ne Stunde um an den Motor ran zu kommen.

Kalte Kunststoffverkleidung will abgenommen werden, um an die wichtigen Innereien zu kommen. Das geht am besten von unten-mittig, hintenherum.

Ist es dieser Stecker? So eine Zündspule will ja schon irgendwie passenden Strom bekommen. Kontaktspray ist aber niemals verkehrt...

Wididididi - läuft Dein Gespann schon oder startest Du noch?
Will das Gespann gar nicht mehr, hilft der freundliche Russe mit dem Abschleppgurt.

Anfangs hatten wir Bedenken, ob die Ural über die eisige Piste überhaupt genügend Traktion hat, um die Ausfahrt zu erreichen.
Mit einem zweiten Gespann im Schlepptau aber läuft Ronja zur Höchstform auf - souverän wird da über glattesten Passagen mit tiefsten Rillen gefahren und spielend leicht die Jialing geborgen.

Aus dem Hexenkessel geborgen, wird der Schandwagen verständigt. Die Gespanne bleiben zunächst eine bewegungsfähige Einheit.

Die Dame vom ADAC hat jedoch Probleme, die Situation einzuschätzen;

"Ich schicke Ihnen einen Mechaniker, der das Motorrad repariert".
- Hat Ihr Mechaniker denn Erfahrung mit Jialing, und auch entsprechende Ersatzteile dabei?

Schweigen. "Ich kann Ihnen aber nicht einfach so einen Abschleppdienst schicken, das muss sich der Mechaniker erst anschauen".
Die Batterie ist aber voll, der Anlasser dreht, es kommt kein Zündfunke an - was will der Mechaniker da noch prüfen?

"Ich kann Ihnen aber nicht einfach so einen Abschleppdienst schicken, das muss sich der Mechaniker erst anschauen". "Wir haben witterungsbedingt viel zu tun, der Kollege kann erst in 2-3 Stunden da sein."

Nach kurzer interner Situationsanalyse: Das ist Quatsch drei Stunden auf den Mechaniker zu warten, um dann nochmal auf den Abschlepper zu warten.
Lieber bringen wir das Gespann selber zur nächsten ADAC Vertragswerkstatt. Das geht in jedem Fall schneller.

Also nochmal beim ADAC angerufen, damit der Mechaniker nicht umsonst kommt.
Doch siehe da, der freundliche Kollege der Dame vom ADAC sagt mir - "Wieso Mechaniker? Was soll der denn helfen können? Wir haben schon einen Abschleppwagen kontaktiert, er ist in ca. 45 Minuten bei Ihnen".

Aha, das klingt schon anders. Also Plan B verworfen, zurück zu Plan A. Und um die Wartezeit zu überbrücken, haben wir die Gespanne noch aus dem engen, zugeparkten Ortsteil Loh herausgeschleppt zur gut erreichbaren Kreuzung an der Landstraße.

Wir stehen auf der Landstraße einen Kilometer nördlich von Rettenbach - mit solchen Positionsangaben wird man auch gefunden.

Einfach warten kann jeder. Die Profis erwarten den Helfer mit Stil, Panoramablick und Catering.

Dank unseres hervorragenden Plans, das Gespann an eine gut erreichbare Stelle zu fahren, konnte der Abschleppwagen...

.... winkend an uns vorbeifahren, um zunächst die liegengebliebende Harley direkt am Hexenkessel in Loh abzuholen.
Danach durfte die Jialing an Bord kommen.
Der Fahrer war gut drauf, und wie es sich für einen Abschleppdienst gehört, ist er die Strecke zur Werkstatt in einer neuen Bestzeit gefahren.
Nikki Lauda wäre blass geworden, und Martin, der hinterher gefahren ist, ging zwar bis an die Grenzen der Physik, und auch darüber hinaus, und doch hat es nicht gelangt um dem Profi folgen zu können.

Zum Glück gab es dann noch ADAC Verwaltungskram zu erledigen, so traf man sich wieder.
Übrigens war die Jialing mitnichten das einzige Fahrzeug... es hatte sich schon was gesammelt, und es war auch noch lange nicht die letzte Bergungsfahrt des Tages.

Eine kleine Selektion der geborgenen Fahrzeuge - bis 14:30 Uhr.

Mit dem letzten Mietwagen der Region ging es dann weiter.
Sehr zum Leid des Autofahrers gab es dann *richtiges* Gespannwetter auf der Rückfahrt.
Männerschneefall, wie ihn echte Winterhelden brauchen.

Irgendwie ist es peinlich, bei dieser Witterung im Auto zu sitzen, die Fußheizung leicht nachzuregulieren und die Scheibenwischer auf Intervall zu stellen.
Richtig ist es, auf die Winterkleidung zu vertrauen, eine entspannte Fahrhaltung einzunehmen und alle 10 Sekunden mit dem Finger das Visier freizuwischen.

Die Autofahrer zögern, die LKW werden langsam, die Ural fühlt sich wohl und gibt noch ein bisschen Extra-Gas. Weil sie es kann.

Mann und Maschine verschmelzen zu einer Einheit. Diese Einheit nennt man auch Schneeklumpen. Kann man im Winter bei schönerem Wetter Motorradfahren? Ich glaube nicht!

Kurzer Stopp auf dem Parkplatz:
Alles okay? Musste Dich aufwärmen?
Quatsch! Los, weiter, so gute Bedingungen gibt es nicht oft!

Daumen hoch. Gilt für Wetter, Fahrzeug und Fahrer gleichermaßen. Alles top.

Elefantentreffen im Bayerischen Wald 2019 mit Martin und Klaus:
Grad schee war's!

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