Hahnbaumalm 2015

Die Tour zum Hahnbaum Alm Wintertreffen. "Schnell" über die Autobahn ins Gebirge, wo der echte Spaß beginnt. Das Team 2015 (v.l.): Gerold und Klaus auf Jialing, Martin und Markus auf Ural 650. Zur Vorgeschichte: Das Uralgetriebe lag nur wenige Tage vor dem Treffen noch in Einzelteilen auf dem Tisch. "Just in Time" gibt es auch in Russland. Der Plan: Im Dunkeln starten damit man noch im Hellen ankommt. Man sagt ja über Pläne, dass sie den ersten Kontakt mit der Realität nicht überstehen...
Das Team ist bereit und startet (fast) zur geplanten Morgenstund. Wir hatten gute Laune statt Gold im Mund. Die Fahrt in den Sonnenaufgang. Da kann man sich das Grinsen gar nicht verkneifen. Tankstopp und kleine Wartung zwischendrin. Man beachte das Werkzeug für Mann und Maschine. Chrom-Vanadium und Prinzenkeks.
Guckst Du, genau da müssen wir drehen. Irgendwo zwischen „Kupplung trennt nicht ganz“ und „rutscht am Berg durch“. Sicherheit geht vor: Auch wenn nur ein Hauch von Gefälle vorliegt, wird vorschriftsmäßig der Original-Bremsklotz der Naturfreunde Sichenhausen untergelegt. Umwelt geht noch vorer: Nach einer kurzen Durchlaufzeit von nur wenigen Kilometern wird das fossile Schmiermittel ordnungsgemäß aufgefangen und gebunden. Boxenstopp á la Formel eins: Innerhalb weniger Sekunden wird das Feintuning des Kupplungs-Ansprechverhaltens nach Pilotenwechsel vorgenommen.
Bei Mindermengen wird zur Verbesserung der Boxenstoppzeiten das externe Schmiermittelauffanggefäß wegoptimiert. Dieses Bild sagt alles: Vorwärts immer, Rückwärts nimmer! Und so reisen wir bei Kaiserwetter in Richtung Hochkönig; Mittagspause am Chiemsee wo wir fürstlich speisen. Dorfidyll erlebt man nur Abseits der großen Straßen, es leben die Umfahrungen auf kleinsten Wegen.
Und zack! Schon sind wir in Österreich. Bei der Schlepper-Kontrolle an der Deutsch-Österreichischen Grenze wollte man uns partout nicht kontrollieren. Und was, wenn wir jemanden im Kofferraum versteckt hätten? Häh? Einer, der von Deutschland nach Österreich gewollt hätte? Häh? Fahrt in den blutroten Sonnenuntergang. Das war zwar so nicht geplant, trotzdem sehr schön. Wie der Mensch muss auch die Ural auf Ihren Flüssigkeitshaushalt achten. Geht unten viel raus, muss oben viel rein. Wie beim Menschen, sag' ich doch. Am nächsten Morgen begrüßt uns das Salzburger Land mit klarer Luft und herrlicher Aussicht. Darum fährt man so gern nach Österreich!
Die Winterfahrer versammeln sich zur gemeinsamen Ausfahrt, wie üblich top-organisiert von den Pongauer Dreirad Fahrern. Schnee am Boden und Frost am Hang? Ja sollte es gar Winter sein? Die Tour startet wie bekannt neben der Hahnbaum Alm. Man sieht, Gäste haben hier einen Bonus. Eh' klar. Pilot der Ural beim Start: Martin. Was Anfangs noch Spaß war...
...wurde noch größerer Spaß! Dass die Sommerreifen auf dem weißen Feldweg ab und zu Richtung Hang glitschen erhöht den Puls und hält jung! Das traditionelle Bild quer über das Tal der Salzach. Panorama! Sonne! Ein Traum. Nach dem ersten Feldweg sammelt sich die ganze Truppe, um die nächsten Höhenmeter geschlossen zu meistern.
Weiter geht es durch begeisterungswürdiges Panorama bergauf.... ...und bergab. Wie es halt so ist, wenn man von einer Bergkette durch ein Tal zur nächsten übersetzt. Schnee gab es auch! Ganz viel! Irgendwie stand da zufällig auch immer gleichzeitig eine Schneekanone in der Nähe. Zufälle gibt's. Aber auch ein schattiges Tal, in dem die Sonne im Winter Urlaub macht, beglückt uns in winterlichem Weiß.
Grundsätzlich aber war das Wetter vom Feinsten. Hier hat die Sonne so gelacht, dass wir uns spontan zu einer Sonnen-Wellness-Pause entschieden haben. Was wurde dieses Jahr nicht so arg benötigt? Richtig - Schneeketten. Wobei, in Tirol... aber dazu später mehr. Fleißig wurden Höhenmeter gesammelt, über die schönsten Güterwege des Salzburger Lands. Wegen Gegenlichts nicht sichtbar: Dauer-Grinsen von Ohr zu Ohr. Ich sag' nur: Panorama. Pa-no-ra-ma!
Wir wurden freundlich aufgenommen auf der Distelkopfalm, erste Station der Tour. Wo sonst die Kühe grasen, wurde hier eine ganze Herde Gespanne auf die Alm getrieben. Nadja, jene hammerschlagrüne russische Schönheit hat alle Steigungen souverän bewältigt. Minderleistung wurde hier durch massive russische Bauart ausgeglichen. Ich denke, man kann davon ausgehen dass hier noch nie, seit Anbeginn der Zeit, so viele Gespanne standen.
Drückte ich schon meine Begeisterung für das Pa-no-ra-ma aus? War nämlich echt beeindruckend. Fränky nutzt die Gelegenheit, um vor versammelter Winterfahrermannschaft die neuen Chapter der Pongauer Dreirad Fahrer offiziell zu eröffnen. Da staunt der Chinese nicht schlecht, wobei, auch in China hat's Berge. Entspannter Plausch am knorrigen Brunnen.
Blick von der Distelkopfalm - das weite Land mit Blick in die Ferne. Nicht ganz so weit kann man auf dem Örtchen blicken, aber standesgemäß mit Holzschindeln. Urig, zum wohlfühlen. Weiter ging's, bergab, bergauf. Aus der Ferne sehen die Gespanne aus wie Spielzeug. (Und wenn man ehrlich ist, aus der Nähe auch. Mann haben wir schön gespielt.) Zweiter Stopp, schon mit Tradition: die Kreistenalm. Wo letztes Jahr noch der 2WD zugeschaltet werden musste um a) den Berg zu erklimmern und b) unschuldigen Chinesinnen die Seite zu verbeulen, gab es heuer eher Staubwolken. Dem Spaß hat's keinen Abbruch getan.
Und dank Schnee konnte man hier oben sogar echte Wintersportler treffen. Ebenfalls im Bild: Tourengeher. Dritter offizieller Stopp: Der Weihnachtsmarkt des örtlichen Harley-Davidson Clubs. Endlich mal gescheite Dinge in den Buden - Spezialschnäpse, Lederwaren im Harley-Design, Schätze für den Biker. Abends dann im "Clublokal" auf der Hahnbaum Alm. Lecker Essen, lustige Gesellschaft. Und so sieht die Verpflegungs-Logistik aus: Magst ein Abendessen, gibts 'n blauen Zettel. Magst was trinken, musst Du immer nur ankreuzen lassen. Magst du mehrere Bierchen, wird mehrfach im gleichen Feld angekreuzt.
War das Essen schwer, müssen ein paar Schnapserl her. Achtung: Vorher - Nachher Bild. Na, wer erkennt den Unterschied? Genau, leere Gläser stapeln sich lustig aufeinander. Quasi ganz von selbst. Ehrlich. Am Abreisetag am Frühstückstisch. Vernünftig wie wir sind war der Abend vorher nicht ganz so "flüssig" wie am Anreisetag. Ich finde übrigens, so ein Kamin in der Wirtsstube sollte Pflicht werden. Heimelig! Ein Uralprofi kickt. Aber Nadja lässt nicht jeden ran, bzw. mag sie es, wenn sie Aufmerksamkeit von mehreren starken Männern bekommt.
Die Heimwärts-Tour. Durch herrliche Nebenstraßen z.B. am Schloss Goldegg vorbei. Wer will schon Bundesstraßen oder gar Autobahnen fahren wenn er solche Strecken erleben kann? (Nun, vielleicht einer der irgendwann auch mal zuhause ankommen will, aber Paperlapapp, wir liegen ja noch 1A im Zeitplan.) Mann sieht's auf dem Foto nicht so, aber dieses Bergsträßchen war so steil, wir waren echt froh dass a) es bergab und nicht bergauf ging, b) wir ein drittes Rad mit dran hatten und c) uns auf der einspurigen Strecke nichts entgegen kam. Mit einer Original-ab-Werk Ural Bremse hätte es hier kein Halten geben, wortwörtlich. Irgendwann muss man aber auf die Bundesstraße, jedoch nicht ohne hier und da mal frech einen Schlenker durch die Natur zu machen.
Man hört zwar manchmal: Ohne ein 200 PS Motorrad macht der Gerlospass gar keinen Spaß, das konnten wir so nicht bestätigen. Wir hatten 20 PS pro Nase (was bergauf eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h ergab) und ganz viel Spaß in den Backen! Der Beweis: Spaß in allen Backen! Und wenn man schon eine Kamera mit Panorama-Funktion hat, dann soll man die auch Nutzen. Voilá: Pa-no-ra-ma. Ein Mann, seine Maschine und die Berge. Und harte Kekse auf der Sitzbank. Harte Kerle halt.
Moment, das soll ein Panoramabild sein? Nein, DAS ist ein Panoramabild! Und plötzlich haben wildfremde Leute angefangen, sich mit ins Bild zu schmuggeln. Ich zähle sieben Motorradfahrer, sowas! Manchmal waren auch nur sechs Biker da. Verwirrend. Muss an der Höhenluft liegen. So sicher wie es einen Pass hochgeht, so sicher geht's auch wieder runter. Mir hat ja besonders gut das Pano... - der Ausblick gefallen.
Die heimische Wintersport-Industrie kämpft verzweifelt. Mit Schneekanonen werden einzelne weiße Flecken gemacht, die dann per Pistenraupe verbunden werden. Talabfahrt möglich? Im Prinzip schon. Schön ist das aber nicht. ÖAMTC? ADAC? Hah! Da lacht der Russe (und kippt sicherheitshalber noch'n halben Liter Öl nach): "Doch nicht für mich! Der Schandwagen kann im Hof stehen bleiben!" - Das russische Motorrad schwerster Bauart hat spielend durchgehalten. Anfahrt nach Brixlegg am Inn entlang. Vorbereitung auf eine echte Bergetappe. Mensch und Maschine werden vorbereitet auf eine "winzige" Offroadtour. Bundesstraße nach Deutschland? Pfffft, wofür gibt es denn Bodenfreiheit am Gespann?
Alle wichtigen Verbrauchsstoffe werden nachgefüllt, hier nach der Methode "Ist der Trichter zu klein, hilft der Daumen halt mit". Noch ein wichtiger Betriebsstoff: Ninas Kekse. Winterfahrer zeigen mit diesen Keksen bis zu 120% Leistungssteigerung, wie eine unabhängige Studie ergeben hat. Die Route führt entlang der Brandenberger Ache. Und siehe da, eine überdachte Holzbrücke! Der geneigte Dreiradfahrer kann sich diesem Reiz nicht entziehen! Und so endet die mühevoll recherchierte und geplante Tour jäh! Konnte man bisher noch lustig über Schotter von Pinegg über Steinberg nach Achental fahren, so will das die Gemeinde Brandenberg nun offensichtlich nicht mehr. Pöh, Ihr Spielverderber. Bitte, dann "benützen" wir Eure Straße eben nicht.
Der Plan war wie gesagt, in Pinegg Richtung Westen abzubiegen (blaue Route). Aber auf der Karte war da doch noch ein anderer Weg zu sehen, Richtung Norden bis nach Bayrischzell. Das probieren wir mal. Hier "rein hypothetisch" mit der roten Route angedeutet. Herrlich! Immer höher, immer kälter, immer weißer. Mitten rein in die Nördlichen Kalkalpen. Doch tatsächlich - es wurde immer schneeiger. Vielleicht zu schneeig? Hier eine Furt über den Sattelbach. Die Begehung der Furt und der nächsten 100 Meter der Strecke ließ folgenden Entschluss reifen: Hätten wir mehr Zeit, würde es nicht dunkel werden und hätten wir für den Notfall Handy-Empfang, so würden wir die Winterreifen aufziehen, den Sattelbach kreuzen und uns weiter in die Höhe in Richtung Deutschland kämpfen. Doch man soll im Alter ja angeblich vernünftig werden, und so haben wir uns aus den genannten Gründen doch wieder auf den Rückweg in Richtung Kaiserklamm gemacht, auch wenn uns das mehrere Stunden kosten sollte.
Hier nochmal im Detail: Wir waren keine 250 Meter von Deutschland entfernt. Aber irgendwer hat da einfach Alpen in unseren Weg gebaut und die Heizung ausgemacht. Zurück auf Höhe des Inns kurze Manöverbesprechung: Es ist spät, und wir haben noch einiges an Strecke vor uns. Also Planänderung, die landschaftlich schöne Route über den Tegernsee entfällt, wir fahren so zügig wie möglich Richtung München, da galt es noch Robert zu seinem runden Geburtstag zu gratulieren - und das Zeitfenster bis Mitternacht schloss sich langsam. Gesagt getan, es wurde mächtig am Kabel gezogen, und die letzten Kilometer in Rekordzeit abgespult. Wir können auch zügig, wenn's sein muss. So sieht ein Ural Zündschlüssel nach einer echten Tour aus: Der Staub und Dreck der Tiroler Alpen immer dabei. Ich glaube, wenn man genau hinsieht, kann man sogar den Schlüssel grinsen sehen.